MENÜ

 

+++Lounge Abend am Samstag, den 03.08.2024, ab 18.30 Uhr mit der Gruppe Green Yellow Lipstick+++

 

David gegen Goliath

David gegen Goliath?
Wie das Ehrenamt mit begrenztem Budget gegen kommunale Träger antritt
Oder: Warum ist euer Wasser so kalt?

In Zeiten knapper Kassen streichen immer mehr Kommunen ihre Leistungen zusammen. Sei dies in der Kürzung freiwilliger Angebote oder Einsparung notwendiger Investitionen. Bevor das Waldschwimmbad Sinn im Jahr 2009 diesen Kürzungen zum Opfer fallen konnte, fanden sich ehrenamtliche Bürger, welche mittels eines Fördervereins und einer gemeinnütziger Betriebs-GmbH das Waldschwimmbad von der Gemeinde mit allem Drum und Dran übernahmen.
Für diese Übernahme erklärte sich die Gemeinde Sinn bereit, jährlich 95.000€ Zuschuss zu zahlen. Alle Betriebskosten und Investitionen müssen seit dieser Zeit vollständig von diesem Zuschuss sowie den Eintrittsgeldern gedeckt werden.
Zusätzliche Unterstützung bekommt die Waldschwimmbad Sinn gGmbH durch den Förderverein Waldschwimmbad Sinn e.V., den 100%igen Gesellschafter der gGmbH, der die im Schwimmbad-Kiosk erwirtschafteten Einnahmen vollständig für den Badebetrieb zur Verfügung stellt.
Mit Ausnahme der Badeaufsicht arbeiten im Waldschwimmbad Sinn alle Personen -ob Kasse, Kiosk, Grün-oder Bauteam- rein ehrenamtlich und mit großem Engagement.
Der Sanierungsstau im Jahr 2010 wurde durch ein Gutachten auf über 1,6 Millionen Euro geschätzt. Die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahre waren auch für die Besucher mit bloßem Auge ersichtlich.

Die Aufgabe der gGmbH bei Übernahme des Bades war somit enorm. Allein im ersten Jahr wurden über 700.000€ in die Sanierung investiert. Über die Jahre hat sich die Investitionssumme auf über 1 Millionen Euro erhöht. Zusätzlich wird großer Wert darauf gelegt, die Anlage in einem sauberen und gepflegten Zustand zu erhalten.

GEPLANT, DURCHGEFÜHRT UND FINANZIELL GETRAGEN ALLEIN DURCH EHRENAMT!

Das Waldschwimmbad Sinn ist jedoch nicht das einzige Freibad in weitem Umkreis. Bereits 5 km weiter findet sich für den Badegast die nächste Möglichkeit zur sommerlichen Erfrischung. Im Unterschied zum Waldschwimmbad Sinn werden jedoch die Freibäder der Umgebung finanziell weiterhin durch die Kommunen getragen. Fehlende Einnahmen aufgrund schlechter Sommer werden durch Zuschüsse in beliebiger Höhe ausgeglichen.
So finden sich in den Haushalten und Wirtschaftsplänen der Kommunen schnell Zahlen von über 400.000€ – reiner Betriebszuschuss, ohne Investitionen versteht sich. Das Waldschwimmbad Sinn kann solche Beträge nicht in den Badebetrieb investieren.
Die Wassertemperatur mit Gas auf angenehme 25 Grad Celsius aufzuheizen, ist schlichtweg finanziell unmöglich (der ökologische Fußabdruck soll hierbei gar nicht erwähnen werden!). Fehlende Einnahmen zwingen zum Sparen (wie dereinst schon die schwäbische Hausfrau dies tat).
Der Sommer ist für jedes Freibad, ob kommunal oder ehrenamtlich, gleich.

DIE FOLGEN AUS EINEM SCHLECHTEN SOMMER KÖNNTEN JEDOCH UNTERSCHIEDLICHER NICHT SEIN.

Während die einen die bezuschusste schwarze Null auf dem Papier ausweisen, müssen die anderen diese Null (wenn nicht gar einen Verlust) durch spürbare Sparmaßnahmen wie reduzierte Beckentemperatur, angepasste Öffnungszeiten u.ä. erwirtschaften. Und all dies nicht etwa mit Personal auf einem gut bezahlten Verwaltungsposten, sondern ehrenamtlich in ihrer Freizeit!
Ein durchaus herausfordernder Wettbewerb.
Hinzu kommt das Problem nicht kostendeckender Eintrittsgelder.
Wer wenig Geld zur Verfügung hat, erhöht einfach den Verkaufspreis und steigert so seinen Ertrag. Dies ist gemeinhin der wirtschaftliche Rat.
Um einen kostendeckenden Eintrittspreis zu erzielen, müsste der Eintritt ins Freibad -je nach Saison- zwischen 8 € und 10 € betragen.
Die wenigsten Gäste sind bereit, einen solchen Eintrittspreis zu zahlen. Sozial verträglich sind solche Preise auch nicht.
Durch die vorhandene Bäderstruktur ist zudem eine Preisgestaltung nur mit Blick auf die kommunalen Bäder möglich. Die Eintrittspreise können in diesen Bädern durch hohe Zuschüsse geringgehalten werden. Ein Maßstab, an dem sich auch das ehrenamtliche Bad orientieren muss.

KANN EHRENAMT ÜBERHAUPT IN EINEM SOLCHEN WETTBEWERB ZU KOMMUNALEN EINRICHTUNGEN BESTEHEN?
Wer das Waldschwimmbad Sinn kennt, wird dies mit einem klaren „Ja“ beantworten. Die Investitionen der letzten Jahre sind deutlich zu erkennen. Das dauerhafte Engagement, welches in den Betrieb und die Anlage gesteckt wird, ist für den Gast an jeder Ecke spürbar. Durch den ehrenamtlichen Betrieb können Investitionen ohne lange politische Prozesse getätigt werden, wenn sie notwendig sind.

Aufgrund des begrenzten Zuschusses von 95.000 €, welcher allein durch die Inflation immer weniger wert wird, sind diese Entscheidungen stets eng mit den wirtschaftlichen Folgen verbunden – Grundvoraussetzung, um dauerhaft „am Markt“ zu bestehen.

WO KEIN GELD VORHANDEN IST, MÜSSEN EINSPARUNGEN GEMACHT WERDEN.
In kommunalen Einrichtungen sind dies meist die Investitionen. So bleiben Bäder marode, die schon seit Jahren der Sanierung harren. Horrend hohe Betriebskosten werden weiterhin durch Verlustausgleiche in mittlerer sechsstelliger Höhe bezuschusst. Finanziert -wie im wirtschaftlichen Konzern-durch andere kommunale Betriebe, deren Gewinne zur Deckung von Verlusten der übrigen „Tochtergesellschaften“ verschoben werden.
Für das Waldschwimmbad Sinn bietet sich diese Möglichkeit der Verlustdeckung durch Gewinnverteilung nicht. Der Zuschuss ist begrenzt.
Die Betriebskosten müssen dauerhaft im Blick gehalten werden, um handlungsfähig zu bleiben. Wenn Einnahmen wegen schlechten Wetters wegbrechen, gilt dies umso mehr.
So, wie in anderen Bädern der Sanierungsstau sichtbar ist, spürt der Gast im Waldschwimmbad Sinn dies bei den Wassertemperaturen, welche die bezuschussten 25 Grad Celsius andere Bäder nicht erreichen können.
Ob marodes Bad oder reduzierte Wassertemperatur: Letztlich sind es die Badegäste, die entscheiden, ob das Waldschwimmbad Sinn in diesem ungleichen Wettbewerb zwischen kommunalen und ehrenamtlichen Trägern weiterhin bestehen und so eine Einrichtung für Jung und Alt erhalten bleiben wird.




Warteliste Tragen Sie sich in die Warteliste ein: